Ausbildungswelt im Wandel: Aktuelle Trends und Herausforderungen

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Die Ausbildung bleibt in Deutschland die am häufigsten gewählte Form des Berufseinstiegs: Fast die Hälfte der Deutschen kann eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen. Doch der Arbeitsmarkt steht vor Herausforderungen. In den letzten Jahren sank die Anzahl der Lehrstellen und die Zahl der begonnenen Ausbildungen. Plätze blieben unbesetzt.
Wie sieht die aktuelle Lage aus? Und wie bewerten die Teilnehmer die Situation?

Über die Studie:

Die Studie „Arbeitgeberkompass: Beste Ausbildungsbetriebe 2025“, durchgeführt von SWI HR im Auftrag des Handelsblatts, liefert spannende Einblicke. Im Zeitraum von Mai bis Juni 2025 wurden 2000 Ausbildungsbetriebe befragt.
Mithilfe eines Online-Self-Audits konnten die teilnehmenden Unternehmen ihre Einschätzungen zu aktuellen Entwicklungen in der Ausbildungswelt teilen. Dabei bewerteten sie verschiedene Ausbildungsaspekte auf einer Skala von -2 (sehr negativ) bis +2 (sehr positiv), differenziert wurde nach Unternehmensgröße: klein (<100 Mitarbeitende), mittel (100–500), mittelgroß (501–1.000) und groß (>1.000).

Wichtige Ergebnisse der Studie:

Sicht auf Auszubildende: Qualität und Motivation

Die Unternehmen zeigen sich besorgt über die Entwicklung der Auszubildenden:

  • Eignung: 43% der Teilnehmer sind der Meinung, dass die Eignung der Auszubildenden in den letzten Jahren abgenommen hat.
  • Leistungsbereitschaft: 40% berichten von einer sinkenden Leistungsbereitschaft, wobei ein Viertel dieser Aussage widerspricht.
  • Aufmerksamkeitsspanne: Fast 60% der teilnehmenden Unternehmen stellen fest, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Auszubildenden deutlich kürzer geworden ist.

Anwerben von Auszubilden: Herausforderungen und Strategien

Die Rekrutierung von Auszubildenden gestaltet sich weiterhin schwierig:

  • Weniger Bewerber: Ein Drittel der Unternehmen spricht von stark rückläufigen Bewerberzahlen. Besonders betroffen sind kleine Unternehmen.
  • Ausbildungsplätze: Während die Hälfte der Unternehmen die Anzahl ihrer Ausbildungsplätze zum Vorjahr erhöht hat, ist diese bei einem Drittel unverändert geblieben. 14% haben die Plätze reduziert.
  • Maßnahmen zur Anwerbung: Die wichtigsten Kanäle zur Gewinnung von Auszubildenden sind Social-Media (91%), Messen (89%) und Schulbesuche (80%). Große Unternehmen setzen die Maßnahmen in der Regel umfassender ein. Ein Drittel der Unternehmen ergänzten hier individuelle Ansätze wie Angebot von Praktika, Mitarbeiter werben Mitarbeiter, Sponsoring etc. Für 77% der Unternehmen sind attraktive Leistungen und Benefits entscheidend, um Auszubildende zu gewinnen.

Aktuelle Themen: Fachkräftemangel, Bürokratie und Digitalisierung

Die Studie beleuchtet auch zentrale Herausforderungen und Trends:

  • Fachkräftemangel: 70% der Unternehmen glauben, dass eine gute Ausbildung den Fachkräftemangel mittelfristig ausgleichen kann. Nur 9% sind hier anderer Meinung.
  • Auszubildende aus dem Ausland: Lediglich 11% setzen auf Auszubildende aus dem Ausland, um den Fachkräftemangel auszugleichen. Mögliche Gründe sind bürokratische Hürden: 71% ist der Meinung, dass sich die Bürokratie stark erschwerend auf diese Alternative auswirkt.
  • Digitalisierung: Mehr als zwei Drittel der Unternehmen haben digitale Lern- und Kommunikationsmedien fest in den Ausbildungsalltag integriert. Bei mittelgroßen und großen Unternehmen liegt der Anteil sogar bei 80%.

Fazit:

Die Studie zeigt, dass der Ausbildungsmarkt im Wandel ist. Die teilnehmenden Unternehmen sehen sich mit sinkenden Bewerberzahlen, einer Verschlechterung der Eignung von Auszubildenden sowie bürokratischen Hürden konfrontiert.

Trotzdem gibt es auch positive Entwicklungen: Die meisten Betriebe glauben, dass eine gute Ausbildung langfristig hilft, den Fachkräftemangel zu lösen.

Um die Ausbildung zukunftssicher zu gestalten, braucht es konkrete Maßnahmen: weniger Bürokratie, moderne Wege zur Nachwuchsgewinnung und eine bessere Nutzung digitaler Möglichkeiten. Besonders kleinere Unternehmen brauchen dabei mehr Unterstützung. Wer diese Herausforderungen aktiv angeht, wird im Wettbewerb um junge Talente erfolgreich sein.

Ranking:

Der im Handelsblatt zur Studie erschienene Artikel ist hier abrufbar. Darin wird auch das Ranking der „Besten Ausbildungsbetriebe“ dargestellt. Die Einladung zur Teilnahme erfolgte per E-Mail. Der Fragebogen erlaubt es den Unternehmen, ihre eigenen Arbeitsbedingungen und Angebote zu bewerten. Es wurden unterschiedliche Fragetypen (z.B. Anzahl oder Art von Angeboten) mit verschiedenen Frageinhalten in der Studie eingesetzt. Offene Fragen, um individuelle Antworten zu ermöglichen. Geschlossene Fragen, um vergleichbare Daten zu erfassen.

Die Bewertung der Leistungen erfolgte nach ihrer Qualität und Relevanz auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten. Der Score eines Arbeitgebers ergibt sich aus den kumulierten Punkten in den verschiedenen Kategorien. Abgefragt wurde beispielsweise, ob die Unternehmen zusätzliche freiwillige Leistungen anboten. Oder wie die Auszubildenden unterstützt bzw. in den Arbeitsalltag eingebunden werden. Ausgezeichnet wurden Unternehmen, die 70% oder mehr der Maximalpunktzahl erreichten.

Die Inhalte der Studie basieren auf einer qualitativen Analyse. Es wurden Fokusgruppen mit Verantwortlichen aus Personalabteilungen sowie Auszubildenden durchgeführt. Zielsetzung war es festzustellen, welche Inhalte in der Analyse Berücksichtigung finden sollten.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an den Studienleiter Johannes Higle.

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