Die deutsche Kanzleilandschaft steht vor einem Umbruch. Digitalisierung, künstliche Intelligenz und der Kampf um Fachkräfte verändern die Branche grundlegend. Doch wie gehen Steuerberatungen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften mit diesen Herausforderungen um? Welche Strategien verfolgen sie im Recruiting? Und wie bereiten sie sich auf die Zukunft vor?
Über die Studie
Im Auftrag von Handelsblatt hat SWI HR die Studie „Beste Arbeitgeber Steuerberater/Wirtschaftsprüfer 2026″ durchgeführt und den teilnehmenden Kanzleien im Rahmen dessen Fragen zu Gegenwart und zukünftigen Entwicklungen der Arbeitsbedingungen gestellt. Die Ergebnisse zeigen: Trotz erheblicher Herausforderungen blicken die meisten Kanzleien optimistisch in die Zukunft – allerdings mit Unterschieden zwischen großen und kleinen Unternehmen.
Methodik
Der Analysezeitraum erstreckte sich von November bis Dezember 2025. Mehr als 1.000 Kanzleien unterschiedlicher Größe nahmen teil. Um differenzierte Aussagen zu treffen, wurden die Kanzleien je nach Unternehmensgröße in verschiedene Gruppen eingeteilt.
Recruiting: Vielfältige Wege zur Talentgewinnung
- Beim Recruiting setzen Kanzleien auf verschiedene Kanäle. Die eigene Website ist mit 88% der Spitzenreiter bei der Ansprache potenzieller Mitarbeiter. Dahinter folgen Job-Portale (69%) und Social Media (67%). Bei den sozialen Netzwerken dominieren Instagram und Facebook, während die beruflich orientierten Plattformen LinkedIn und XING dahinter liegen. Auch Weiterempfehlungen spielen mit 63% eine bedeutende Rolle.
- Die Recruiting-Strategien unterscheiden sich je nach Unternehmensgröße. Kleine Kanzleien konzentrieren sich meist auf zwei bis drei ausgewählte Wege, da sie über geringere Kapazitäten verfügen und sich somit für einen effizienten Prozess auf wenige Wege konzentrieren müssen. Große Kanzleien hingegen sind deutlich breiter aufgestellt und nutzen parallel mehrere Kanäle.
- Die Bedeutung von Arbeitgeber-Bewertungsportalen, wie Kununu, wird in der Branche unterschiedlich eingeschätzt. 37% der befragten Kanzleien sehen sie als zunehmend relevant an. Bei großen Unternehmen liegt die Zustimmung sogar bei 69 %, bei kleinen nur bei 22 %.
Aktuelle Situation: Wachstum trotz Herausforderungen
- Trotz der Herausforderungen zeigt sich die Branche optimistisch. 94% der befragten Kanzleien erleben aktuell Wachstum und sehen gute Entwicklungschancen. Die Branche ist dynamisch – mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen erhält regelmäßig Anfragen zu Übernahmen oder Kooperationen.
- Gleichzeitig sehen sich die Kanzleien vor erheblichen Herausforderungen. Die Digitalisierung steht dabei ganz oben auf der Agenda. 90% der Befragten gehen davon aus, dass die Einbindung von KI eine wichtige Maßnahme für die Zukunftsfähigkeit ihrer Kanzlei ist. Diese Einschätzung wird durch steigende Erwartungen der Mandanten verstärkt: 69% berichten von zunehmenden Anforderungen ihrer Klienten bezüglich Digitalisierung. Insgesamt sehen sich die Kanzleien auf diese KI-Herausforderungen jedoch gut vorbereitet.
Fachkräftemangel: Besonders kleine Kanzleien unter Druck
- 43% der Kanzleien haben Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Fachkräften. Besonders betroffen sind kleine Kanzleien: 55% von ihnen berichten von erheblichen Recruiting-Problemen. Sie können oft nicht mit den Karriereaussichten und Gehältern großer Unternehmen mithalten.
- 82% der Kanzleien kompensieren den Mangel an qualifiziertem Personal durch gezielte Weiterbildungsmaßnahmen.
Fazit
Die Studie zeigt: Der Kanzleimarkt befindet sich in einer Phase intensiver Neuorientierung. Digitalisierung und KI eröffnen neue Potenziale für Effizienz und Qualität, während Wachstum auf eine hohe Anpassungsfähigkeit der Branche hinweist.
Allerdings bleibt der Fachkräftemangel eine zentrale Hürde – besonders für kleine Kanzleien. Wer die Herausforderung als Chance begreift und in moderne Arbeitsstrukturen, gezielte Weiterbildung sowie eine klare Arbeitgebermarke investiert, hat gute Karten, auch in Zukunft zu den attraktiven Arbeitgebern der Branche zu gehören.
Die Online-Veröffentlichung der Studie im Handelsblatt finden Sie unter folgendem Link.
Bei Fragen wenden Sie sich gerne an den Studienleiter Johannes Higle.

