Kanzleien im Wandel: Wie Digitalisierung und Fachkräftemangel den Berufsalltag prägen

Steuerkanzleien und Wirtschaftsprüfer stehen unter Druck. Fachkräftemangel und digitale Umbrüche verändern die tägliche Arbeit. Gleichzeitig erwarten Mandanten schnellere, individuellere Lösungen und das bei wachsender Komplexität. Viele Kanzleien suchen daher nach neuen Wegen: Prozesse werden automatisiert, KI-Systeme übernehmen Routinen und die Rolle der Beraterinnen und Berater entwickelt sich weiter.

Wie die Branche auf diese Entwicklungen blickt, wurde im Rahmen der Online-Umfrage zu den besten regionalen Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern geklärt. Die Studie wurde im Auftrag vom Handelsblatt von SWI Finance in Kooperation mit der Wirtschaftskanzlei BSP. Partnerschaft mbB Rechtsanwälte Steuerberater durchgeführt.
Mehr als 4.000 Steuerberater und Wirtschaftsprüfer beteiligten sich und beantworteten Fragen zu aktuellen Herausforderungen, dem aktuellen deutschen Steuerrecht sowie Zukunftsaussichten.

Die größten Herausforderungen

Für 78,4 % der Befragten gehört die fortschreitende Digitalisierung zu den größten Herausforderungen, vor allem in mittelgroßen und großen Kanzleien. Digitale Systeme verlangen nicht nur Investitionen, sondern auch neue Kompetenzen und Arbeitsweisen.

Fast ebenso hoch wird der Fachkräftemangel als herausfordernd eingeschätzt (77,5 %). Zwar liegt der Wert leicht unter dem des Vorjahres, doch der Druck bleibt groß. Viele Kanzleien setzen daher verstärkt auf Automatisierung und den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI), um Routinearbeiten effizienter zu gestalten und Mitarbeitende zu entlasten.

Auch die nachlassende Attraktivität des Berufsfelds bereitet zusätzliche Sorgen. Knapp ein Viertel der Kanzleien sieht Schwierigkeiten, Nachwuchskräfte für Ausbildung oder Studium zu gewinnen. Auch der zeitliche Druck bleibt spürbar: 32,1 % berichten von hoher Belastung, insbesondere kleinere Kanzleien.

Aktuelle Situation von deutschem Steuerrecht

Das deutsche Steuerrecht gilt als anspruchsvoll und das bestätigt sich erneut. 67,7 % der teilnehmenden Kanzleien bewerten seine Komplexität als hoch. Hinzu kommt der zunehmende Einfluss europäischer und internationaler Regelungen (62,9 %), der Verfahren zusätzlich erschwert.

Fast die Hälfte der Befragten sieht unzureichende rechtliche Möglichkeiten, um sich gegen behördliche Entscheidungen zur Wehr zu setzen. Nur ein Viertel fühlt sich in der Lage, Mandanten in allen Lebenslagen rechtssicher zu beraten, bei Großkanzleien immerhin 36,9 %.

Zukunftsaussichten

78,1 % der Teilnehmenden bewerten die wirtschaftliche Situation des vergangenen Jahres als positiv. Gleichzeitig zeigt sich mehr Bewegung im Markt: 29,1 % berichten von geplanten Zukäufen oder Zusammenschlüssen, ein Hinweis auf eine wachsende Dynamik und strategische Neuausrichtung.
Bei der Digitalisierung ist die Branche gut aufgestellt. 80,5 % der befragten Kanzleien arbeiten papierlos, 78,2 % nutzen bereits KI-gestützte Systeme meist in der Finanzbuchhaltung und bei Recherchen. Parallel dazu ist die wahrgenommene Arbeitsbelastung leicht zurückgegangen (75,9 %).

Fazit

Künftiges Wachstum wird vor allem dort entstehen, wo Kanzleien Automatisierung gezielt einsetzen und durch individuelle Beratung echten Mehrwert bieten. Fachkräftemangel und hohe regulatorische Anforderungen bleiben die größten Hürden. Künstliche Intelligenz kann zwar Entlastung schaffen, doch entscheidend bleibt, Technologie und persönliche Betreuung sinnvoll zu verbinden.

Die vollständigen Ergebnisse der Studie finden Sie hier.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an den Studienleiter Johannes Higle.

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