Mobile ist das neue Online-Banking

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Die Einführung des sogenannten Online Bankings am klassischen Heim-PC war seinerseits nicht unumstritten und scheidet bis heute die Geister. Vorbehalte gegen das neue, mobile Banking mit Smartphone oder Tablet-PC gibt es ebenfalls genug. Weder konnten datenschutzrechtliche Bedenken zur Gänze ausgeräumt werden, noch ist es den Anbietern gelungen, das Spannungsfeld zwischen nutzerorientierter Flexibilität und sicheren Legitimationsverfahren aufzulösen. Trotz vielversprechender Ansätze ist hier der Königsweg noch nicht gefunden. Das Bedürfnis nach entsprechender Software als solches ist kundenseitig hingegen durchaus vorhanden. Einer aktuellen  Studie zufolge verdoppelte sich der Anteil der Mobile-Banking-Nutzer in Deutschland im Verlauf des letzten Jahres. Die Entwicklungen aus anderen Ländern legen nahe, dass sich dieser Trend fortsetzen dürfte.

Vor diesem Hintergrund analysierte das S.W.I. FINANCE im Auftrag von Handelsblatt das aktuelle Produktspektrum sogenannter Banking-Apps hinsichtlich Funktionsumfang und Nutzerfreundlichkeit. Berücksichtigt wurden die Anwendungen der größten, deutschlandweit aktiven Filial- und Direktbanken, darunter die Apps von Deutsche Bank, Commerzbank, TARGOBANK, HypoVereinsbank, ING-DiBa, Cortal Consors oder DAB bank.  Erweitert wurde das Panel um die zentralen Angebote der Volksbanken/Raiffeisenbanken, Sparkassen, Sparda- und PSD-Banken sowie um die – zumeist kostenpflichtige – Software von Drittanbietern, wie zum Beispiel Banking 4A von Subsembly oder Outbank von Stoeger it.

Klassische Banking-Funktionen sind Standard

Die Analyse ergab, dass sich grundlegende Funktionen, wie zum Beispiel die Abfrage des Kontostands, die Durchführung mobiler Überweisungen oder auch die Einrichtung von Daueraufträgen, als Standard etabliert haben und von den meisten Unternehmen angeboten werden. „Die Entwicklung von Banking-Apps ist damit jedoch nicht stehen geblieben“, weiß Pascal Rudolf, S.W.I.-Projektleiter für den Bereich Digitale Kundenbeziehung. Dies zeige die zunehmende Verbreitung innovativer Überweisungsformen, die dem Kunden das Handling der App deutlich erleichtern könne. Die Zahl der Apps, welche beispielsweise die Nutzung sogenannter Bezahlcodes oder das Foto-TAN-Verfahren unterstützten, hat im vergangenen Jahr zugenommen. Unter anderem hatten Sparkassen und comdirect den Funktionsumfang ihrer Software diesbezüglich erweitert.

Multibanking bleibt wichtigstes Argument der Drittanbieter

Während die Verwaltung unterschiedlicher Banken in einer App bei allen Drittanbietern sowie den kostenpflichtigen Anwendungen vorgesehen war, mussten die Nutzer kostenloser aber institutsgebundener Software auf diese Möglichkeit zumeist verzichten. Ein klares Argument für die Nutzung der zumeist kostenpflichtigen Programme von Drittanbietern. Positiv überraschten hier zum Beispiel die Angebote von 1822direkt oder comdirect, welche die Verwaltung bankfremder Konten erlaubten, sofern mindestens ein Produkt des jeweiligen Instituts genutzt wurde.

Die Entwicklung von Tablet-Apps steht noch am Anfang

Um valide Ergebnisse zu erzielen und Abweichungen des Funktionsumfangs bei unterschiedlichen Betriebssystemen (Adroid/iOS) zu berücksichtigen, wurden alle Anwendungen auf den optimalen Endgeräten getestet. Eine separate Analyse dezidierter Tablet-Apps ergab jedoch, dass dieses Segment erst noch vollständig erschlossen werden muss. Die Auswahl an eigenständigen Produktalternativen, die sich bezüglich Optik und Funktionsumfang klar von den Smartphone-Angeboten unterschieden, war gering.

„Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden“, schreibt Friedrich Dürrenmatt in seiner bekannten Novelle „Die Physiker“ und so dürfte es sich auch mit den Flüchen und Segnungen der digitalisierten Gesellschaft verhalten. Das Thema Mobile-Banking dürfte die Branche somit weiterhin beschäftigen. Kein Wunder!

Ungeachtet der Vorbehalte und Sicherheitsbedenken, bietet die Verbreitung von Banking-Apps Kunden wie Instituten enorme Vorteile. Dem Nutzer eine komfortable, schnelle und unkomplizierte Erledigung von Bankgeschäften. Den Instituten – sofern sie die Chance ergreifen – einen weiteren Kontaktpunkt, der kosteneffizient zu betreiben sowie als Instrument zur Kundenbindung verwendbar ist. „Eine gute oder gar spektakuläre Banking-App wird sich mittelfristig zu einem wichtigen Verkaufsargument der Branche entwickeln“ prophezeit Marcus Schad, Geschäftsführer der Hamburger Unternehmensberatung.

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