Wie gewonnen, so zerronnen: Savedroid „verzockt“ das Kundenvertrauen

Seit Fintechs am Markt sind, stehen diese vor der Herausforderung, sich nicht nur durch innovative Produkte und Services zu profilieren, sondern darüber hinaus auch das Vertrauen der Kunden zu gewinnen und zu halten. Dieses Vertrauen hat Savedroid kürzlich verspielt. Die Fintech-Szene distanziert sich von Yassin Hankir und seinem Unternehmen, das mit einem fragwürdigen „PR-Coup“ Aufsehen erregt hatte.

Savedroid versucht sich an einer PR-Aktion – und anschließend an einer Erklärung

Savedroid CEO Yassin Hankir
Savedroid-CEO Yassin Hankir verabschiedet sich. Oder auch nicht?

Stellen Sie sich vor: Sie investieren Ihr Geld in ein Finanz-Startup, dessen Idee sie begeistert. Gerade noch hat das Fintech im Rahmen eines ICO (Initial Coin Offering) einen laut Medienberichten zweistelligen Millionen Betrag bei Investoren – und Ihnen – eingesammelt. Und plötzlich postet der CEO, dass er sich aus dem Staub macht. Die Presse berichtet, die Büroräume seien verlassen, und auf der Unternehmens-Website prangt nur noch ein Scherz. Das klingt wie ein erfundenes Horrorszenario für Anleger? Ist aber so geschehen: Im April bei Savedroid, dem Saving-Fintech mit einer Spar-App für Kryptowährungen.

Was als PR-Coup geplant war, endete im PR-Gau. Während die Presse noch rätselte, was mit Savedroid und den Millionen geschehen sei, machte sich bei Investoren und Kunden bereits großer Missmut breit. Weder Website noch Firmengründer Yassin Hankir waren erreichbar – viel zu lange nicht. Nach zu langen Stunden des Wartens erklärte Hankir in einem Video, er habe sein Verschwinden nur vorgetäuscht und gab sich als Weltverbesserer: https://www.youtube.com/watch?v=o5_bwFf_byo&t=5s

Es war also alles „nur“ eine PR-Aktion? Warum macht ein Unternehmen solch einen Scherz auf Kosten seiner Kunden und Partner – und letztlich auf Kosten seines (guten) Rufs? „Wir wollten eine sehr klare, wenn auch extrem drastische Nachricht senden. Der Krypto-Markt muss vertrauenswürdiger werden und Savedroid wird hierbei eine proaktive Rolle spielen”, rechtfertigt Savedroid-Macher Yassin Hankir den misslungenen Gag. Doch es ist zu spät. Das Kundenvertrauen ist zu diesem Zeitpunkt längst „verzockt“. Es drohen Klagen von Investoren.

Bereits mit dem ICO einer eigenen Kryptowährung hatte sich Savedroid auf dünnem Eis bewegt. Darüber hinaus sei das Unternehmen auch schon in der Vergangenheit eher lasch mit dem Geld seiner Kunden umgegangen. Savedroid und allen voran Yassin Hankir haben nun mit der Angst ihrer Nutzer gespielt und sich letztendlich vor allem selbst damit geschadet. Denn welcher Kunde vertraut in Zukunft sein Geld noch einem Unternehmen an, das durch derart unüberlegte Aktionen auffällt?

Die Fintech-Szene reagiert

Aus diesem Grund wenden sich einige Tage später namhafte Vertreter aus der Fintech-Szene in einem offenen Brief an die Öffentlichkeit. Sie sagen: „So geht es nicht.“ In letzter Zeit hätte sich viel im Fintech-Sektor getan und man habe durch Kooperationen und Engagement in der Branche nachhaltig am Vertrauensaufbau gearbeitet. Vertrauen ist die grundlegende Komponente, ohne die kein Unternehmen auf dem hart umkämpften Finanzmarkt bestehen kann. Die unterzeichnenden Vertreter der Branche distanzieren sich offiziell vom Vorgehen Savedroids und zeigen sich „entsetzt, wie man Kunden, Partner, Regulatoren und die Öffentlichkeit durch PR-­Aktionen in die Irre führen kann, die mit diesem Vertrauen spielen.“ Sie wollen vielmehr weiterhin gemeinsam für das „Wohl des Kunden, seriöse Geschäftspraktiken und jederzeitige Transparenz“ stehen.

Sie werden wohl recht behalten. In jeder Branche, doch vor allem in der Finanzbranche, gilt: Nur wer sich das Vertrauen seiner Kunden durch ausgezeichnete Produkte, saubere Kommunikation und exzellenten Service sichert, wird über kurz UND lang Erfolg haben.