Deutschlands beste Steuerberater und Wirtschaftsprüfer 2022 in Kooperation mit Handelsblatt

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Die Herausforderungen der Corona-Pandemie nehmen scheinbar kein Ende, die vollständigen Auswirkungen der Skandale um Wirecard und den Pandora Papers sind noch immer nicht klar. Die Branche der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater hat turbulente Jahre hinter sich. Was waren die größten Herausforderungen in dieser Zeit? Welche Folgen haben sie? Ist die wirtschaftliche Situation möglicherweise gefährdet? Welche Kanzleien die beste Fachkompetenz besitzen und somit am besten für die Zukunft gerüstet sind, testete SWI Finance im Auftrag des Handelsblatts. Mehr als 4.000 Steuerberater und über 800 Wirtschaftsprüfer beteiligten sich an der Studie „Beste Steuerberater und Wirtschaftsprüfer 2022“.


Beste Steuerberater 2022 & Beste Wirtschaftsprüfer 2022

Unternehmen jeder Größenordnung bekamen im Januar und Februar 2022 die Chance, über eine Online-Befragung an der Studie teilzunehmen. Insgesamt wurden dazu über 30.000 Einladungen verschickt. Die Erarbeitung des Testdesigns erfolgte in Kooperation mit der Wirtschaftskanzlei Buschmann Partnerschaft mbB Rechtsanwälte Steuerberater. Im Rahmen der Studie wurden 614 Steuerberater und 116 Wirtschaftsprüfer ausgezeichnet. Die vollständigen Ergebnisse sind in der Handelsblatt Ausgabe vom 23.03.2022 und auf Handelsblatt.com einsehbar.

Größte Herausforderungen: Rekrutierung & Digitalisierung

Abseits der Beurteilung der Fachkompetenz, ließ das SWI die Branche selbst zu Wort kommen. Die Einschätzungen der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer zur vergangenen und zukünftigen Entwicklung der Branche sowie aktuellen Themen wurden dabei eingeholt.

Interessanterweise sehen sich sowohl Steuerberater als auch Wirtschaftsprüfer aktuell vor die gleichen Herausforderungen gestellt: Wie bereits in den Vorjahren bereitete die Rekrutierung geeigneter Mitarbeiter viel Kopfzerbrechen. Mehr als 90 Prozent aller befragten Steuerberater und Wirtschaftsprüfer – und sogar 97 Prozent der großen Kanzleien – sehen sich auch in diesem Jahr vor die kontinuierliche Herausforderung gestellt, qualifiziertes Personal zu finden.

Auch die Digitalisierung ist ein wichtiges Zukunftsthema. In Folge der Corona-Zeit haben sich die Kanzleien jedoch besser auf das Thema eingestellt. Nur noch zwei Drittel der Kanzleien der Befragten gaben die fortschreitende Technisierung als eine ihrer größten Herausforderungen an. Im Vorjahr sahen noch drei Viertel der Befragten das so. Gerade kleinere Kanzleien sind in dieser Angelegenheit gelassener.

Gemischte Gefühle gegenüber dem deutschen Steuerrecht

Vom deutschen Steuerrecht zeichneten die Antworten kein positives Bild. 75 Prozent waren nicht der Meinung, dass es dem Grunde nach gerecht ist. Fast 80 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass die Finanzbehörden immer mehr Tätigkeiten auf den Steuerpflichtigen auslagern und 66 Prozent, dass das Steuerrecht immer komplizierter wird.

Bezüglich der Pandora Papers zeigte sich ein gemischtes Stimmungsbild. Diskrepanzen gab es vor allem zwischen den bisher umgesetzten politischen Maßnahmen und den Forderungen nach weiterem Handeln. Den Forderungskatalog des EU-Parlaments zu den Pandora Papers empfand ein Großteil der Befragten als nicht angemessen. Nur 14% der Befragten waren mit den Forderungen einverstanden. Von den Großen Kanzleien sogar nur 2,6%. Den Einfluss der bisher umgesetzten politischen Maßnahmen auf den Arbeitsalltag beurteilten die Kanzleien sehr unterschiedlich. 50% sahen keinen direkten Einfluss, 30% waren unentschlossen während knapp 20% in ihrem Arbeitsalltag von den Maßnahmen beeinträchtigt sind.

Positive Einschätzung der wirtschaftlichen Situation

Überwiegend positiv (82 Prozent) waren die Antworten auf die Frage nach der Zufriedenheit mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Kanzleien im Jahr 2021.

Wie auch im letzten Jahr stehen die Teilnehmer der zukünftigen wirtschaftlichen Situation zwar positiv gegenüber, schätzen die Zukunft jedoch etwas negativer ein. Wie schon im letzten Jahre beschrieben nur 62 Prozent den wirtschaftlichen Trend für das kommende Jahr als zunehmend oder eher zunehmend. Die Auswirkungen der Corona-Krise sind sicherlich ein größerer Faktor für diese vergleichsweise negative Aussicht.

Plan für die nächsten fünf Jahre

Mehr als ein Drittel der Befragten (38 Prozent) antwortete positiv auf die Frage nach einer geplanten unternehmerischen Veränderung in den nächsten fünf Jahren. 20 Prozent strebte den Kauf einer anderen Kanzlei an, 11 Prozent einen Zusammenschluss. Verkauf der Kanzlei war zum Zeitpunkt der Umfrage nur für 4 Prozent ein Thema. Die Aufgabe des Betriebs nur für 0,2 Prozent.

Während diese Zahlen denen des Vorjahres sehr ähnlich sind, zeigt eine Betrachtung nach Kanzleigrößeren erkennbare Unterschiede. Kleine Kanzleien haben sich von den Ereignissen des vergangenen Jahres erholt. Mittlerweile planen wieder 19 Prozent einen Kauf. (Vorjahr: 13 Prozent). Einen Zusammenschluss planen dafür weiterhin 8 Prozent, einen Verkauf nur noch 5 Prozent (Vorjahr: 6 Prozent).

Die Planungen großer Kanzleien zeigen sich indes unbeeindruckt von den Ereignissen der letzten Jahre. Mit 45% plant fast die Hälfte in den nächsten fünf Jahren einen Kauf einer anderen Kanzle. Diese Zahl stieg schon im letzten Jahr von 21 auf 31 Prozent. Die Bereitschaft für einen Zusammenschluss sank dafür von 19 auf 5 Prozent.

Herausforderungen und Folgen der Pandemie

Die größten Anliegen, mit denen Mandanten den Kanzleien gegenübertraten, waren Unterstützung bei der Beantragung staatlicher Corona-Hilfen (91 Prozent), die Beantragung bzw. Abrechnung von Kurzarbeitergeld (85 Prozent) sowie die Stundung von Steuerzahlungen und Sozialabgaben (65 Prozent). Hier waren Mehrfachnennungen möglich.

Doch nicht nur die Mandanten, auch die Wirtschaftsprüfer und Steuerberatern hatten mit der Pandemie ihre Probleme. Über 93 Prozent der Befragten gaben an, eine stärkere Belastung gehabt zu haben. Zu einem großen Teil stammt dies aus der zunehmenden fachlichen Herausforderung, die 68 Prozent aller Befragten sahen. Der erhöhte Aufwand schlug sich nicht in den Umsätzen der Kanzleien nieder. Weniger als 44 Prozent verzeichneten höhere Einnahmen.

Stagnierende Umsätze trotz Mehraufwand? Wenig verwunderlich, wenn man bedenkt, dass 36 Prozent der Kanzleien drohende Insolvenzen bei ihren Mandanten sehen. Diese Zahl lag im letzten Jahr noch bei 62, Besserung ist also in Sicht. Diese Entwicklung zeichnet sich auch in der Einschätzung von Unternehmen ab, die nicht zu den Mandanten der Kanzleien gehören. So gaben nur noch 23 Prozent an, eine deutlich zunehmende Zahl an Unternehmens-Insolvenzen für 2022 zu erwarten. Im Vorjahr waren es noch 93(!) Prozent. Einigkeit besteht dafür weiterhin bezüglich der Corona-Hilfen im Bereich Veranstaltungen/Gastronomie und für Solo-Selbständige. Wie im Vorjahr finden knapp 80% der Befragten findet diese nur wenig effektiv.

Haben Sie Fragen oder weiterführendes Interesse?

Falls Sie weiteres Interesse an unserer Studie haben, kontaktieren Sie gern den Studienleiter Johannes Higle per Mail an johannes.higle@swi-finance.com. Die Dokumentation der Branchenentwicklungen ist für eine Schutzgebühr in Höhe von 100 Euro (zzgl. Mwst.) erhältlich.

Haben Sie Fragen zu Methodik oder Teilnahmemöglichkeiten? Wir beantworten sie unter beste-steuerberater-wp@swi-finance.com

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